KI verstehen – und sinnvoll nutzen

Der Landesgartenbautag der oberösterreichischen Gärtner:innen war für mich ein Abend, der noch lange nachwirkt. Zwischen Rückblicken auf das Jahr 2025, der Präsentation der Balkonblume, Gemüse- und Bienenpflanze des Jahres 2026, einem Rückblick auf 25 Jahre oberösterreichische Gärtnererde und der Ehrung erfolgreicher Junggärtner:innen durfte ich als Keynote Speaker einen inhaltlichen Akzent setzen.

Mein Impulsreferat trug den Titel „KI verstehen und im Alltag sinnvoll nutzen – ein praktischer Einstieg in moderne KI-Tools“. Und genau darum ging es: nicht um Technik um der Technik willen, sondern um Einordnung, Haltung und konkrete Anwendung.

Was mir dabei besonders wichtig war: Künstliche Intelligenz ist kein einzelnes Tool, das man beherrscht oder nicht beherrscht. Sie ist vielmehr ein neues Arbeitsprinzip, ein neuer Umgang mit Denken, Kommunikation und Kreativität. Deshalb habe ich bewusst keinen klassischen Frontalvortrag gehalten, sondern den Abend interaktiv aufgebaut. Mit Mentimeter habe ich Fragen gestellt, Einschätzungen eingeholt und live gezeigt, wie KI-Systeme heute funktionieren – wie man mit ihnen in natürlicher Sprache arbeitet, wie Texte entstehen und warum Feedback oft wichtiger ist als ein perfekt formulierter Prompt. Auch Bildgenerierung, etwa mit Midjourney, war Teil des Einblicks, um zu zeigen, wie schnell Ideen sichtbar werden können, die man selbst vielleicht noch gar nicht vollständig gedacht hat.

Nicht Technik zeigen, sondern Orientierung geben

Im Austausch mit den Gärtner:innen wurde rasch deutlich, wie ähnlich die Fragestellungen branchenübergreifend sind. Es ging um Zeitersparnis im Alltag, um Unterstützung bei Texten für Website oder Kundenkommunikation, um Protokolle, um Struktur in Ideen – und gleichzeitig um die Frage, wie verlässlich diese Systeme eigentlich sind.

Meine Antwort darauf war bewusst ehrlich. KI liegt nicht immer richtig, aber sie ist extrem gut darin, Denkprozesse zu beschleunigen. Vorausgesetzt, man nutzt sie nicht als Autorität, sondern als Sparringspartner. Gerade einfache Anwendungsfälle zeigen sehr schnell Wirkung. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen und mit den Systemen zu interagieren, gewinnt Geschwindigkeit, Klarheit und oft auch neue kreative Perspektiven.

Ein zentraler Teil meines Impulses war jedoch auch die kritische Einordnung. KI ist kein rechtsfreier Raum. Kostenlose Angebote im Netz sind selten wirklich kostenlos, sensible oder personenbezogene Daten gehören nicht unreflektiert in externe Systeme, und die Verantwortung für Inhalte bleibt immer beim Menschen. Auch bei KI-generierten Bildern entstehen neue Graubereiche, etwa beim Recht am eigenen Bild. Diese Themen offen anzusprechen war mir besonders wichtig.

Hier konnte ich auch meine Perspektive als Landesinnungsmeister der oberösterreichischen Berufsfotograf:innen einbringen. Viele der Herausforderungen, mit denen die Fotografiebranche bereits konfrontiert ist, werden anderen Branchen erst noch begegnen. Diese Parallelen zu ziehen, hat für spannende Diskussionen gesorgt und den Blick über den eigenen Fachbereich hinaus geöffnet.

Landesgartenbautag 2

Je schneller die Systeme, desto wichtiger wird das Analoge

Ein Gedanke lag mir an diesem Abend besonders am Herzen – gerade im Kontext der Gärtnerei. Je schneller unsere digitalen Systeme werden, desto wichtiger werden analoge, menschliche Gegenpole. Arbeit mit Erde, Pflanzen, Natur und körperlichem Erleben ist kein romantischer Gegenentwurf zur Digitalisierung, sondern ein zunehmend wertvoller Ausgleich. KI kann uns helfen, effizienter zu arbeiten, sie sollte uns aber nicht dazu bringen, uns selbst zu überfordern oder ständig mithalten zu wollen.

Ein gutes KI-Mindset bedeutet deshalb immer auch, neugierig zu bleiben, Dinge auszuprobieren, kritisch zu reflektieren und gleichzeitig auf sich selbst zu achten. Nicht alles, was technisch möglich ist, muss auch permanent genutzt werden.

Mein Fazit nach diesem Abend ist klar: Künstliche Intelligenz ist kein Spezialthema für Technik- oder Kreativbranchen. Sie betrifft alle, die organisieren, kommunizieren, planen, entscheiden und gestalten. Dass ich diesen Impuls in einem fachlich völlig anderen Umfeld setzen durfte, war für mich besonders wertvoll. Das Feedback der Teilnehmer:innen hat gezeigt, wie groß der Bedarf an verständlicher Einordnung, praxisnahen Beispielen und ehrlichem Austausch ist.

Danke für diesen offenen, neugierigen und sehr wertschätzenden Abend.