AI Fusion: Warum Lichtsetzung und der Mensch im Mittelpunkt bleiben

Die Fotografie steht vor einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet uns neue kreative Möglichkeiten, stellt uns aber auch vor Fragen. Beim jüngsten Livestream mit Profoto, Lindsay Adler und Ines Thomson ging es genau darum: Wie können wir KI als Werkzeug nutzen, ohne das fotografische Handwerk und die Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren? Die Antwort liegt in der AI Fusion – einer Technik, die echte Emotionen im Studio mit KI-generierten Hintergründen verbindet.

Und meine klare Haltung dazu: Fotografie bleibt Handwerk. KI ist nur ein zusätzliches Werkzeug in unserer Toolbox.

Ich selbst habe in den letzten Jahren intensiv mit AI Fusion experimentiert und bin überzeugt: Der Mensch und das Licht stehen im Mittelpunkt – nicht die Technologie.

Lichtsetzung: Das Fundament jeder Aufnahme

Fotografie ist für mich seit jeher die Kunst, Licht zu sehen, zu formen und gezielt einzusetzen. Ohne Licht kein Bild. Das gilt besonders, wenn wir KI in unseren Workflow integrieren. Warum?

  • Licht schafft Realismus: Egal, ob der Hintergrund per KI generiert wird – die Lichtsetzung im Studio muss zur Szene passen, um ein glaubwürdiges Ergebnis zu erzeugen. Wenn das Licht nicht stimmt, wirkt das Bild sofort künstlich.
  • Licht verbindet Emotionen: Die Interaktion mit Modellen, die Stimmung im Studio und die gezielte Lichtführung machen den Unterschied zwischen einer technischen Aufnahme und einem Bild mit Seele.
  • Licht ist Handwerk: KI kann Hintergründe erschaffen, aber sie kann nicht erspüren, wie ein Modell auf Licht reagiert oder welche Stimmung eine bestimmte Lichtsetzung erzeugt.

„Wir malen mit Licht. KI ist ein Werkzeug in unserer Toolbox – aber das Handwerk bleibt entscheidend.“Ines Thomson

Bevor ich ein Shooting beginne, steht der KI-Hintergrund fest. So kann ich die Lichtsetzung im Studio exakt auf die Szene abstimmen. Nur wer Licht versteht, kann KI so einsetzen, dass das Endergebnis natürlich wirkt.

AI Fusion: Wie ich KI in meinen Workflow integriere

AI Fusion kombiniert das Beste aus beiden Welten: Echte Menschen im Studio werden mit KI-generierten Umgebungen verschmolzen. Mein Workflow sieht dabei so aus:

  1. Hintergrund zuerst: Ich erstelle den KI-Hintergrund vor dem Shooting. So weiß ich genau, wie ich das Licht setzen muss, um die Szene realistisch wirken zu lassen.
  2. Emotionen einfangen: Die Modelle agieren im Studio, aber durch die Lichtstimmung und Inszenierung tauchen sie in die KI-Welt ein.
  3. Realismus durch Präzision: Ich nutze mein Wissen über Licht, um die KI-Elemente nahtlos in die Aufnahme zu integrieren.

Ein Beispiel aus Ines' Praxis:

"Für ein frühes Ai-Fusion-Projekt fotografierte ich Musiker:innen in einer Umgebung, die es in der Realität nicht gibt. Der Clou? Durch die präzise Lichtsetzung wirkte das Ergebnis so authentisch, dass die Künstler:innen selbst überrascht waren."

Der Mensch im Mittelpunkt: Warum KI das Handwerk nicht ersetzt

KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber sie kann keine Emotionen erspüren, keine spontanen Momente einfangen und keine kreative Vision ersetzen. Das war auch die klare Botschaft des Livestreams:

  • Ines Thomson: „Die Verbindung zum Modell, die Kommunikation – das ist es, was ein Bild lebendig macht.“
  • Ich: „KI öffnet Türen, aber die Tür geht nur auf, wenn du das Handwerk beherrschst.“
  • Anders Hedebark (CEO Profoto): „Wir entwickeln Technologie für euch, die Kreativen. Aber am Ende seid ihr es, die die Bilder machen.“

KI ermöglicht es mir, Ideen umzusetzen, die früher undenkbar oder zu aufwendig waren – sei es ein futuristisches Setting oder eine Location, die es in der Realität nicht gibt. Aber die Magie entsteht im Studio, durch die Interaktion mit den Menschen vor der Kamera.

KI und die Zukunft der Fotografie: Chancen und Herausforderungen

Die Diskussion mit Profoto und den anderen Fotograf:innen zeigte: KI wird die Fotografie verändern, aber sie wird sie nicht zerstören. Vielmehr stellt sie uns vor die Frage: Wie positionieren wir uns?

  • Für Purist:innen: Wer auf „echte“ Fotografie setzt, kann das als Alleinstellungsmerkmal nutzen – mit Behind-the-Scenes-Einblicken und einer klaren Haltung.
  • Für Pionier:innen: AI Fusion eröffnet neue Märkte, z. B. für Marken mit kleinem Budget, die trotzdem hochwertige Kampagnen umsetzen wollen.
  • Für alle: Die Technologie entwickelt sich rasant. Wer sie ignoriert, riskiert, den Anschluss zu verlieren. Wer sie klug nutzt, kann seine Kreativität auf ein neues Level heben.

KI ist kein Feind, sondern ein Katalysator für Kreativität. Sie gibt uns die Freiheit, Dinge auszuprobieren, die vorher unmöglich waren. Aber sie ersetzt nicht die Fotografie – sie erweitert sie.

Fazit: KI als Chance begreifen

Die Botschaft des Livestreams war klar – und ich stehe voll dahinter: KI ist nicht nur ein Werkzeug wie Photoshop oder eine neue Kamera. Sie ersetzt nicht die Fotografie, sondern gibt uns neue Möglichkeiten. Entscheidend bleibt:

  1. Das Handwerk beherrschen – Lichtsetzung, Kommunikation, Technik.
  2. Die eigene Stimme finden – ob mit oder ohne KI.
  3. Den Menschen nicht vergessen – denn Emotionen und Authentizität sind unersetzbar.

AI Fusion ist für mich keine Modeerscheinung, sondern eine logische Evolution. Sie zeigt, dass Fotografie auch in Zeiten der KI ein handwerklicher und menschlicher Prozess bleibt.