KI in der Berufsfotografie

Wie du KI verstehst, rechtlich sicher einsetzt und in deine tägliche Arbeit integrierst – ein Rückblick auf meinen Workshop in Linz.

Warum dieser Workshop?

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde – aber wie funktioniert sie eigentlich? Und wie kannst du sie konkret in deiner fotografischen Praxis nutzen? Beim Workshop für die Akademie der OÖ Berufsfotograf:innen in Linz habe ich genau das vermittelt: von den technischen Grundlagen über rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zu praktischen Workflows mit Tools wie Photoshop, Evoto und Capture One. Am Ende stand sogar ein Ausblick auf lokale KI-Lösungen mit Le Chat.

Hier sind die wichtigsten Takeaways – praktisch, verständlich und direkt umsetzbar.

KI-Grundlagen: Wie funktioniert das eigentlich?

Viele nutzen KI-Tools wie Midjourney oder Stable Diffusion, ohne zu wissen, was eigentlich passiert. Im Workshop haben wir uns angeschaut, wie KI-Bilder entstehen. Der Latent Space ist der „kreative Raum“, in dem KI keine bestehenden Bilder kombiniert, sondern völlig neue Pixel berechnet – basierend auf Mustern, die die KI gelernt hat. Der Seed, also das Noise Pattern, ist der „Startpunkt“ für jedes KI-Bild. Gleiche Seeds und gleiche Prompts führen zu gleichen Ergebnissen. Das ist besonders wichtig, wenn du konsistente Serien erstellen willst, zum Beispiel für Kampagnen.

Ein präziser Prompt ist entscheidend, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Dabei gilt: Mehr Wörter bedeuten nicht automatisch bessere Bilder. Stell dir den Latent Space wie eine riesige Landschaft vor. Dein Prompt ist die Wegbeschreibung, der Seed der Startpunkt.

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(c) Barbora Bauer

Rechtliche Aspekte: Was du unbedingt wissen musst

KI ist mächtig – aber nicht rechtlich frei von Fallstricken. Ein zentraler Punkt ist das Urheberrecht: KI-generierte Bilder haben aktuell kein Urheberrecht. Ab August 2026 gilt jedoch eine Kennzeichnungspflicht für „KI-generiert“ oder „KI-bearbeitet“. Besonders vorsichtig solltest du bei KI-generierten Personen sein. Selbst wenn die Person nicht real ist, kann sie einer echten ähneln – und das birgt Haftungsrisiken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vertragsgestaltung. Kläre mit Kunden im Voraus, ob und wie KI eingesetzt wird. Ein Satz wie „KI-unterstützt, aber fotografisch erstellt“ schafft Klarheit. Dokumentiere deinen KI-Prozess mit Screenshots, um dich abzusichern, falls es später Fragen gibt.

Tooling: KI in Photoshop, Evoto & Capture One

In Photoshop ermöglicht die generative Füllung das kontextbezogene Auffüllen von Bildbereichen. KI-Filter unterstützen bei Hautretusche, Hintergrundersatz oder sogar der kompletten Bildgenerierung. Allerdings nutzen viele dieser Funktionen Cloud-Server, zum Beispiel von Adobe oder Google. Hier ist Datenschutz besonders wichtig.

Evoto bietet automatisierte Retusche und Style Transfer. Porträts lassen sich in Sekunden optimieren – ohne manuelles Nachbearbeiten. Mit einem Klick erhält dein Bild den Look eines analogen Films oder einer bestimmten Ära. Ein Teilnehmer retuschierte im Workshop ein Porträt in Evoto – was früher 30 Minuten dauerte, war in nur 2 Minuten erledigt.

Capture One unterstützt mit KI-gestützter Raw-Entwicklung. Automatische Korrekturen für Belichtung, Weißabgleich und sogar Objektentfernung sind möglich. Die KI erkennt Gesichter, Hauttöne und Objekte, was präzise Masken ermöglicht.

Workflows mit Le Chat: Lokale KI für mehr Kontrolle

Warum in die Cloud, wenn es auch lokal geht? Im letzten Teil des Workshops haben wir Le Chat genutzt, um Bilder zu analysieren, Metadaten zu generieren und Texte für Blogposts oder Newsletter zu erstellen – basierend auf deinen Fotos. Lokale KI wie Le Chat schützt deine Daten und ist oft schneller als Cloud-Lösungen.

Mein Fazit: KI ist ein Werkzeug

Der Workshop zeigte: KI ist kein Zauber, sondern ein Handwerkszeug. Wer die Grundlagen versteht, kann sie bewusst und sicher einsetzen – ohne die rechtliche Kontrolle über seine Bilder zu verlieren.

Drei Dinge solltest du mitnehmen: Verstehe die Technik, kenne die Regeln und integriere KI in deine Workflows. Ob Photoshop, Evoto oder Le Chat – probier es aus!