Farbe von der Aufnahme bis zur Ausgabe
Heute durfte ich an der Graphischen zwei Vorträge für EIZO halten: Farbe von der Aufnahme bis zur Ausgabe – plus Content Credentials und Kennzeichnungspflicht. Wie immer ohne PowerPoint, alles live.
Hier die wichtigsten Punkte zum Nachlesen.
RAW oder JPEG?
Ein JPEG hat 8 Bit pro Kanal, also 256 Abstufungen. Ein RAW hat je nach Kamera 12 bis 14 Bit, maximal bis zu 16 Bit mit 65.536 Abstufungen. Beim JPEG sind Weißabgleich, Picture Profile, Schärfen und Entrauschen fix eingerechnet, beim RAW bleibt alles flexibel. Besser ist trotzdem keines per se – in kontrollierter Umgebung reicht ein JPEG oft völlig.
Die Farbraum-Einstellung in der Kamera (sRGB oder Adobe RGB) ist nur fürs JPEG relevant. Beim RAW ist sie egal.
Vom RAW- in den Pixel-Workflow
Im RAW-Editor greift ihr nie die Originalpixel an – alles bleibt rückgängig machbar. In Capture One habe ich dazu ein Feature gezeigt, das ich mir für Lightroom wünsche: Ein Referenzbild definieren und den Look per lokaler KI auf eine ganze Serie übertragen, inklusive Abgleich von Farbe und Helligkeit.
Sobald ihr retuschiert, verlasst ihr den RAW-Workflow. Dann zählen zwei Entscheidungen: TIFF oder PSD statt JPEG, weil nur diese Ebenen speichern. Und der richtige Farbraum. Gezeigt habe ich den Roundtrip übrigens mit Affinity statt Photoshop.
sRGB oder Adobe RGB?
sRGB ist der kleinste gemeinsame Nenner, Adobe RGB ist größer. Im ColorSync-Dienstprogramm am Mac könnt ihr Farbräume übereinanderlegen: sRGB liegt komplett in Adobe RGB. Und ISO Coated für den Offsetdruck ist in weiten Bereichen sogar kleiner als sRGB.
Wichtig: Wer in Adobe RGB arbeitet, braucht einen Monitor, der Adobe RGB auch darstellt. Sonst bearbeitet ihr Farben, die ihr nicht seht. Meine Faustregel: Für Endkunden bleibe ich durchgehend in sRGB. Für Agenturen gehe ich in Adobe RGB und liefere PSD.
KI-Retusche mit Evoto
Evoto retuschiert Haut, entfernt Brillenreflexe, Falten in der Kleidung und störende Elemente wie Softboxen am Bildrand. Einstellungen kopiert man auf die ganze Serie – in der Demo 21 Bilder in rund 20 Sekunden. Kostenpunkt: etwa 5 bis 9 Cent pro Bild.
Zwei Dinge dazu: Lernt das händische Retuschieren trotzdem. Und verrechnet Retusche weiterhin so wie bisher, nicht die fünf Sekunden.
Der Monitor entscheidet
Ist euer Monitor zu dunkel, stellt ihr Bilder zu hell ein. Ist er zu gelb, werden sie zu blau. Deshalb: Bevor ihr das nächste Objektiv kauft, sorgt für einen Monitor, dem ihr vertrauen könnt – kalibriert und profiliert. Was ein Profil nicht retten kann, ist ein ungleichmäßig ausgeleuchtetes Panel. Der Fernseher im Saal war dafür das perfekte Negativbeispiel.
Mindestens genauso wichtig ist das Umgebungslicht. Mit meinem selbst gebauten Monitor-Simulator habe ich gezeigt, was passiert: In einem warmen Abendraum mit kühlem Monitor werden Bilder zu warm und zu dunkel. Am hellen Tag mit zu dunklem Monitor werden sie zu hell und zu kühl.
Content Credentials und Kennzeichnungspflicht
Content Credentials nach dem C2PA-Standard dokumentieren, woher ein Bild kommt und was damit gemacht wurde. Capture One und Photoshop können sie beim Export anhängen, einige Kameras von Leica, Nikon und Sony signieren schon beim Auslösen. Wichtig: Das „CR“-Symbol heißt nicht, dass ein Bild KI-generiert ist.
Seit 2. August gilt mit Artikel 50 des EU AI Act die Kennzeichnungspflicht für KI-generierte und KI-veränderte Bilder. Entrauschen oder klassische Retusche fallen nach meinem Verständnis nicht darunter. Der Umkehrschluss ist das Spannende: Kein Label heißt echte Fotografie. Das wertet unsere Arbeit enorm auf.
Fazit
Farbmanagement ist eine Kette von Entscheidungen. Wer weiß, wo seine Bilder am Ende landen, trifft sie von Anfang an richtig. Danke an EIZO, die Graphische und alle für die vielen guten Fragen.