Innungstagung 2026
Vor ein paar Tagen war es wieder so weit: Wir hatten die Innungstagung der Berufsfotograf:innen Oberösterreich im Julius-Raab-Saal der Wirtschaftskammer in Linz. Für mich als Innungsmeister ist dieser Abend jedes Jahr etwas Besonderes.
Man sieht viele bekannte Gesichter, trifft neue Kolleg:innen und kann gemeinsam einen Blick darauf werfen, wohin sich unser Beruf entwickelt.
Kurz zur Einordnung, falls ihr euch fragt, was ich da eigentlich mache: Ich bin Innungsmeister der Landesinnung Berufsfotografie. Das heißt, ich vertrete die Interessen der gewerblichen Fotograf:innen in Oberösterreich. Und einmal im Jahr kommen wir alle zusammen.
Der Pflichtteil
Ja, es gibt einen formalen Teil. Einladung, Beschlussfähigkeit, Tagesordnung – das muss sein. Das Schöne: Das geht bei uns inzwischen recht flott. Die Mitgliedsbeiträge bleiben 2027 gleich, und damit war der trockenste Teil auch schon erledigt.
Der berührende Teil
Was mich jedes Jahr wieder beeindruckt, sind die Ehrungen. Heuer feiern 19 Betriebe Jubiläen zwischen 25 und 50 Jahren Selbstständigkeit. Stellt euch das mal vor: Wer vor 30 Jahren ein Fotostudio eröffnet hat, hat noch Filme entwickelt. Dann kam die Digitalfotografie, dann das Smartphone, das plötzlich jeden zum Fotografen gemacht hat – und jetzt KI, die Bilder komplett ohne Kamera erzeugt.
Und diese Menschen sind immer noch da und machen ihren Job. Das hat für mich etwas sehr Tröstliches. Drei von ihnen durfte ich an dem Abend persönlich Urkunde überreichen, und man merkt in solchen Momenten, wie viel Leben in so einem Beruf steckt.
Warum echte Fotos plötzlich wieder wertvoll werden
Womit wir beim Thema wären, das den Abend geprägt hat: künstliche Intelligenz. Als Keynote-Speakerin war Nina Steinmayr (RSV Anwältin) da und hat über die rechtliche Seite von KI gesprochen. Seit Kurzem gibt es in der EU eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte.
Das heißt: Wenn ein Bild von einer KI erzeugt oder maßgeblich verändert wurde, muss das unter bestimmten Umständen erkennbar sein.
Viele sehen darin vor allem zusätzliche Bürokratie. Ich sehe es anders. Wenn generierte Bilder gekennzeichnet werden müssen, dann bekommt ein echtes Foto – eines, das in einem echten Moment mit einer echten Kamera entstanden ist – wieder einen eigenen Wert.
Echtheit wird zu etwas, das man zeigen kann. Und das ist, ehrlich gesagt, eine ziemlich gute Nachricht für alle, die mit der Kamera arbeiten.
Ein Fotopreis ohne Schubladen
Ein Projekt, an dem ich in den letzten Monaten mitgearbeitet habe und das ich an dem Abend vorstellen durfte, ist der neue Bundespreis der Berufsfotografie.
Bisher war so ein Wettbewerb klassisch in Kategorien unterteilt: Porträt, Hochzeit, Werbung, Architektur und so weiter. Im neuen Bundespreis gibt es das nicht mehr. Eine offene Kategorie, fertig.
Warum? Weil die besten Bilder sich oft nicht in eine Schublade stecken lassen. Ein Hochzeitsfoto kann ein großartiges Porträt sein, ein Werbebild eine kleine Geschichte erzählen. Uns interessiert nicht mehr, in welches Fach ein Bild passt, sondern ob es etwas auslöst. Ob man hängen bleibt. Ob es einen trifft. Ich bin sehr gespannt, was da eingereicht wird.
Und was bleibt?
Ich bin nach Hause gefahren mit dem Gefühl, dass unser Beruf gerade an einem spannenden Punkt steht. Die Technik verändert sich schneller als je zuvor, aber die Grundfrage bleibt dieselbe wie vor 45 Jahren: Wer schaut genau hin? Wer ist im richtigen Moment da? Und wer schafft es, daraus ein Bild zu machen, das berührt?